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Besuch des Nds. Ministerpräsidenten

Weil findet Platz an der Sonne

Niedersächsischer Ministerpräsident besuchte Harlesiel

Sonne, Sand, Strandvergnügen. Besser hätten die äußeren Umstände am 31. Mai 2018 nicht zum Motto der dreitägigen Sommerreise von Stephan Weil (SPD) passen können. Der Ministerpräsident ist in diesem Jahr unterwegs, um das „Ausflugs- und Urlaubsland“ Niedersachsen persönlich zu entdecken und zugleich den gut 20 mitgereisten Journalisten von Presse, Funk und Fernsehen vorzustellen. Der Umstand, dass Weil am zweiten Tag seiner Reise unter anderem Carolinensiel-Harlesiel ausgewählt hat, ließ die Verantwortlichen vor Ort strahlen, denn eine bessere Werbung kann es kaum geben.

Am Strand, an Deck der „Concordia II“ und bei der abschließenden Teezeremonie im Deutschen Sielhafenmuseum in Carolinensiel nutzten die Repräsentanten der Stadt, des Sielortes, der Wirtschaft und der Kurverwaltung die Gelegenheit, mit dem Ministerpräsidenten und seinen Mitarbeitern aus der Staatskanzlei ins Gespräch zu kommen. Die Urlauber am Strand erlebten einen gut gelaunten Landesvater. Und es blieb auch Zeit für eine kleine Fußball-Einlage: Immerhin pflegt die Stadt Wittmund seit zehn Jahren eine offizielle Partnerschaft mit dem Bundesligisten Hannover 96 – und Weil ist bekennender Anhänger der „Roten“. Der Politiker überzeugte sich zudem barfuß vom Weltnaturerbe. „Das Wattenmeer ist für mich etwas ganz Besonderes, nirgendwo sonst vereint sich eine so vielfältige Flora und Fauna“, sagte Weil.

Von der Vielfältigkeit der drei Häfen im Nordseebad überzeugte sich Weil auf dem Raddampfer. „Hinter allem hier stehen viele Ehrenamtliche und viel Arbeit“, erklärte Carolinensiels Ortsvorsteher Eike Cornelius dem Politiker bei der anschließenden Teezeremonie im Museum. Der Clinensieler lobte die Förderprogramme, wie Denkmalschutz und „Dorfregion Sielhafenorte“, von denen das Nordseebad derzeit profitiert. „Wir brauchen aber auch Unterstützung, um den Museumshafen, der jetzt 31 Jahre alt ist, weiter zu erhalten“, gab Cornelius dem MP mit auf den Weg nach Hannover.

„Ich habe mich hier von Anfang an wohl gefühlt“, sagt Stephan Weil und beißt genüsslich in sein Eis. Er schlenderte im Rahmen seiner Sommerreise über den Strand in Harlesiel und fuhr mit der „Concordia II“ die Harle entlang zum Museumshafen.

Als Weil vor dem „Wattkieker“ um 14.30 Uhr aus dem klimatisierten Bus steigt, nehmen ihn Kurdirektor Kai Koch und Wittmunds Bürgermeister Rolf Claußen in Empfang. „Ich war noch nie hier, aber meine Güte, was habt ihr das schön“, sagt Weil mit Sonnenbrille und Baseballkappe ausgerüstet. Claußen, der dem Politiker verzeiht, dass er nicht von der Stadt, sondern von der Gemeinde Wittmund spricht, erklärt, wie sich das Nordseebad in den vergangenen Jahren entwickelt hat, und wie wichtig der Tourismus für die Kommune geworden ist. Der Ministerpräsident ist beeindruckt. „Bei 1500 Einwohnern 930 000 Übernachtungen? Toll.“ Wie vielen Menschen der Tourismus aber Arbeit gibt, das können weder Claußen noch Koch und auch der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer für Ostfriesland und Papenburg, Dr. Torsten Slink, vor Ort nicht beantworten. Weil nimmt es gelassen, lässt sich beim Strandspaziergang von Claußen über die Investitionen im Nordseebad informieren, auch über die Hotelprojekte, die jetzt aktuell in Planung sind. „Wichtig ist, dass der Tourismus Akzeptanz in der Bevölkerung findet“, betont der Politiker. Da sind die Carolinensieler auf der sicheren Seite. „Zusammen mit den Bürgern haben wir ein Tourismusleitbild entwickelt“, erklärt Claußen. Dass auch Natur, in diesem Fall das Weltnaturerbe Wattenmeer und Fremdenverkehr, zusammenpassen, erfährt Weil von Peter Südbeck, Leiter der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer, Tylke Pastuschka vom Nationalparkhaus und von Nationalparkführer Joke Pouliart.

„Überall am Strand haben wir Hinweistafeln, die Wissenswertes über das Wattenmeer vermitteln“, sagt Tylke Pastuschka und sie fackelt nicht lang, lädt den Ministerpräsidenten ein, die Schuhe auszuziehen und das Wasser zu erleben. Weil scheut sich nicht, aus dem Boden ein Stück von dem Queller, der direkt am Strand wächst, zu probieren. „Nicht schlecht, schmeckt salzig und daraus machen Sie sich einen Salat?“, fragt er und lacht.

Wohlwissend, dass der Politiker großer Hannover-96-Fan ist, haben Christoph und Jan Heimann eine besondere Überraschung vorbereitet. Sie übergeben Weil ein 96-Trikot mit der Aufschrift Carolinensiel-Harlesiel. Aber nicht einfach so, der SPD-Mann muss sich das Geschenk verdienen, er muss gegen Jan Heimann ein Tor schießen. Beim dritten Anlauf klappt es. Die beiden Initiatoren erzählen Weil, wie es zur Partnerschaft der Stadt Wittmund mit dem Fußballverein gekommen ist. Weil ist beeindruckt und wünscht sich mehr Verständnis für den Sport von seiner Frau. „Ich wollte neulich das Finale der Champions-League sehen – aber sie nicht“, scherzt er. Die Karawane, unter anderem 14 Mitarbeiter des Landtages und 20 Journalisten, die dafür sorgen werden, dass das Nordseebad deutschlandweit noch bekannter wird, zieht weiter zu den Strandkörben. Immer wieder bleibt Weil stehen, schüttelt Hände von Urlaubern und nimmt sich Zeit für einen kleinen Plausch. Im Strandkorb sitzend stellt er fest: „Sie haben Glück, sie arbeiten wirklich da, wo andere Urlaub machen.“

Text: Anzeiger für Harlingerland