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09.01.2014 - Quartiersentwicklung Wittmunder Innenstadt

Die Innenstadt braucht mehr Vielfalt


Auf den Stühlen in der Stadthalle lagen grüne Luftballons; „die können Sie aufpusten – aber ohne heiße Luft, dann platzen sie“, sagte Bürgermeister Rolf Claußen. Dieser kleine Wink vorweg wirkte offensichtlich. Denn beim Info-Abend zum Thema attraktive Innenstadt am Dienstagabend in der Stadthalle kam dann wirklich nicht nur heiße Luft. Die Gäste in der gut besetzten Stadthalle brachten sich konstruktiv ein, meckerten nicht nur rum.

Zunächst präsentierte Björn Maaß von der Technischen Universität (TU) Dortmund die Bestandsanalyse einer Studentengruppe, die im Mai vorigen Jahres die Situation in der Innenstadt unter die Lupe nahm. Die Ergebnisse sind teilweise ernüchternd, verwundern aber nicht. Im Wittmunder Kern fehlt ein vielfältiges Grundsortiment – der Mix stimmt nicht, so das Ergebnis einer Passantenbefragung; die vielen Leerstände und ein unzureichendes Gastronomie-Angebot werden beklagt; ebenso fehlen touristische Anziehungspunkte; die Barrierefreiheit reiche nicht. „Die Stadt besitzt zudem kein Alleinstellungsmerkmal, kein Zugpferd, das Gäste anziehen würde“, so Björn Maaß.

Natürlich gibt es auch positive Aussagen zur Innenstadt wie Sauberkeit, Parkplatzangebot, gute Bepflasterung, gepflegte Bebauung, Attraktionen wie „Hands of fame“ oder die aufgestellten Strandkörbe. Dagegen müsse die Stadt noch mehr Aktionen/Events auf die Beine bringen, damit die Menschen in den Stadtkern kommen, sagte Maaß. Verweilqualität, schöne Plätze und eine ansprechende Atmosphäre fehlten. Positiv: Knapp 70 Prozent der Immobilien-Eigentümer sind laut der Studie bereit zu modernisieren und sich an der Attraktivierung der Stadt zu beteiligen.

Wittmund befinde sich am Scheideweg. „Aber noch geht was, wir müssen jetzt gemeinsam nach vorne schauen, alle sollten sich aktiv einbringen“, appellierte Bürgermeister Rolf Claußen. Hier schlossen sich Bauamtsleiter Joachim Wulf und Björn Maaß an. Die „Abwärtsspirale“ müsse man aufhalten. Der Stadtrat allerdings wirke manchmal „entwicklungshemmend“, heißt es in der Studie. Nächster Schritt müsse sein, einen „Quartiersstammtisch“ zu bilden. Er soll das Heft in die Hand nehmen. Alle interessierten Bürger, Immobilien-Eigentümer sollen zusammenarbeiten. „Ende 2014 sollen Ergebnisse vorliegen“, gab Claußen das Ziel vor.

In der anschließenden Diskussionsrunde war öfter zu hören: „Wir haben eigentlich eine schöne Fußgängerzone.“ Die Bürger selber müssten sie aber auch annehmen. „Mehr Wittmunder müssten mehr in Wittmund kaufen“, war zu vernehmen. Ein Immobilienbesitzer kritisierte die „Auffangsituation am Stadtrand: „Dort sind Baumärkte zu Kaufhäusern geworden. Es gibt dort Waren aller Art und ein Bistro – das gehört eigentlich in die Innenstadt.“ Nun müsse man eben mehr auf Wohnbebauung setzen. Dies geschehe bereits, sagte darauf Bürgermeister Claußen. An mehreren Stellen schaffe man neuen Wohnraum, auch das werde zur Belebung beitragen. Ein Zugezogener sagte: „Ich fühle mich hier wohl – Leute, die etwas verändern möchten, müssen wir alle unterstützen.“

Helmut Loerts-Sabin, Verlagsleiter und stellvertretender Vorsitzender des Wirtschaftsförderkreises, stellte fest: „Die Wittmunder lieben ihre Stadt. Und es gibt bereits gute Veranstaltungen wie ,Live im Park’.“ Er lobte die Bereitschaft der Immobilien-Besitzer, etwas zu tun. Ein Alleinstellungsmerkmal für Wittmund könne beispielsweise sein, die Fußgängerzone zu überdachen.“ Weitere Ideen kamen wie: Kaufhaus/Citycenter; Outlet-Center, ansiedeln; Baugestaltungs-Vorschriften lockern. Weitere Ideen sollen gesammelt werden. „Jetzt sind alle gefordert, aktiv zu werden“, sagte Bürgermeister Claußen. Bis Ende 2014 sollen Ergebnisse vorliegen.

Text: Anzeiger für Harlingerland

 

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