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Veranstaltung zum internationalen Frauentag

Kampf um Gleichstellung

Ausstellung rückt vier Frauen in den Fokus

Kinder, Küche, Kirche – eine Alliteration, die scheinbar nichts mit der modernen Welt zu tun hat, ist eigentlich gar nicht so veraltet. Das Thema wurde pünktlich zum Weltfrauentag am Dienstagabend im Wittmunder Rathaus im Rahmen der Ausstellung „Mütter des Grundgesetzes“, die anlässlich des 60-jährigen Jubiläums des Grundgesetzes seit 2009 durch Deutschland wandert, in den Fokus gerückt.

Thematisiert wurde der langwierige, harte und noch andauernde Kampf vierer Frauen: Frieda Nadig, Elisabeth Selbert, Helene Weber und Helene Wessel, die in einer von Männern dominierten Welt für mehr Gleichberechtigung eintraten. Wittmunds Bürgermeister Rolf Claußen und Hildegard Böhme von der Frauenloge „Movemus“ führten durch die Veranstaltung. Die Theatergruppe Hatshausen/Ayenwolde verkörperte in einem kleinen Schauspiel die Hauptpersonen. Die Gleichstellung von Mann und Frau sei noch lange nicht erreicht, das Thema aktueller denn je, erklärte Claußen. Man müsse nur auf die Aussage des polnischen Abgeordneten Janusz Korwin-Mikke in der letzten Woche zurückblicken, der die Lohnlücke damit begründete, dass Frauen zu schwach, klein und weniger intelligent als Männer seien, fügte Hildegard Böhme hinzu.

Erst im Jahr 1949 bewirkten die vier „Mütter des Grundgesetzes“, die bei der Ausstellung im Mittelpunkt standen, die Verankerung des Artikels drei, Absatz zwei „Frauen und Männer sind gleichberechtigt“ im Grundgesetz – ein Meilenstein in der damaligen Zeit. Am 27. Mai 1993 fand dieser Artikel eine Erweiterung durch die Formulierung: „Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.“ Nadig, Selbert, Weber und Wessel mussten sich 1949 vor 61 Männern im parlamentarischen Rat behaupten – auch heute noch ein Thema. Frauenseien in vielen Berufen und Positionen immer noch unterrepräsentiert und unterbezahlt. „Gleiche Rechte, weniger Macht und Geld“, unterstrich Hildegard Böhme.

„Durch den Artikel 1949 änderte sich zwar einiges, aber nicht viel für die Frauen. Sie hatten bis Ende der 1960-er Jahre nicht das gleiche Mitspracherecht wie die Männer“, so Rolf Claußen. Frieda Nadig, Elisabeth Selbert, Helene Weber und Helene Wessel hätten jedoch Mut bewiesen und Geschichte geschrieben. Ausstellungen wie im Rathaus sollten daher ein Mahnmal sein und aufzeigen, dass Gleichberechtigung nicht nur eine Option sei. „Der reine Männerstaat ist das Verderben der Völker“, stellte schon Helene Weber fest.

Text: Anzeiger für Harlingerland